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Am 14. Mai schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Objekt des Monats August 2015: Ein armenischer Wien-Führer aus dem Jahr 1829

Einer der acht Kupferstiche zeigt den Theseus-Tempel, der erst wenige Jahre vor Erscheinen des Buches errichtet worden war.

Armenier waren unter den Kaufleuten und Übersetzern, die in der Frühen Neuzeit zwischen dem Osmanen- und Habsburgerreich ihren Geschäften nachgingen, besonders stark vertreten. Als Überbringer geheimer Informationen waren ihre Aktivitäten auch für die obersten Hofstellen interessant. So wundert es nicht, dass Wien schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einem wichtigen armenischen Zentrum wurde - man denke an Johannes Diodato, der nicht nur als erster Kaffeesieder der Stadt Berühmtheit erlangte, sondern auch Patriarch der in Wien ansässigen Armenier war.

Einen wichtigen Impuls erfuhr das armenische Kulturleben durch die Übersiedlung der "österreichischen" Mechitaristen von Triest nach Wien im Jahre 1810. Wie im venezianischen Stammkloster auf der Insel San Lazzaro wurden auch in dem Kloster am Spittelberg eine wertvolle Bibliothek sowie ein Museum eingerichtet und das Studium orientalischer Sprachen gezielt gefördert. Hier war es auch, dass Franz Werfel die Recherchen für seinen berühmten Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" anstellte.

Die seit 1811 im Wiener Mechitaristenkloster betriebene Buchdruckerei war für die Produktion des literarisch-intellektuellen Rüstzeugs des Ordens zuständig. Einer der ersten (und vielleicht schönsten) Drucke in armenischer Sprache, der aus der Wiener Offizin hervorging, ist der Wien-Führer "Beschreibung der kaiserlichen Residenzstadt Wien" (Storegroit'iin kayseranist k'agak'in Venneyi, 1829), der aus der Feder eines gewissen Michael Vets'matean stammt. Die darin enthaltenen Kupferstiche zeigen wichtige Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt: die Spinnerin am Kreuz, Theseustempel und Burgtor, die Karlskirche und natürlich den Stephansdom. Daneben wird aber auch die Geschichte der Mechitaristen reflektiert: zwei Kupferstiche zeigen das (auch heute noch existierende) Gebäude des ehemaligen Chorfrauenklosters St. Jakob in Klosterneuburg, das erst kurz vor dem Erscheinen von Vets'mateans Topographie (1828) vom Mechitaristen-Orden als Sommersitz erworben worden war und später, wie das Wiener Kloster selbst, von Joseph Kornhäusel umgebaut wurde.

Auch wenn Michael Vets'mateans "Beschreibung der kaiserlichen Residenzstadt Wien" den meisten Wienerinnen und Wienern von heute sprachlich verschlossen bleiben dürfte, ist das Werk doch ein interessanter Mosaikstein in einer langen Reihe topographisch-historischer Werke über Wien, die in repräsentativer Auswahl auch in unserer Digitalen Bibliothek zur Verfügung stehen.

Literaturangabe

Mik'ayel Vets'matean: Storegroit'iin kayseranist k'agak'in Venneyi (Umschlagtitel: Wiens Topographie). I Venne | Wien: Mxit'arean Tparan | Mechitharisten-Buchdruckerei 1829. - 272 S. In armenischer Sprache und Schrift.
Wienbibliothek im Rathaus, Druckschriftensammlung, A-18882. Abrufbar in der Wienbibliothek Digital!

Archiv der Objekte des Monats 2015

Titelblatt des armenischen Wien-Führers.